Zahnarzt-Gedicht

    • Zahnarzt-Gedicht

      Von Schmerzen gepeinigt, so sitze ich hier –
      da öffnet sich langsam die Zimmertür.
      Mein Name ertönt – und ganz wie im Traum
      wandle ich in den Behandlungsraum.

      Nun rauf auf den Stuhl. Oh je, ist mir bange -
      da kommt schon die Schwester und streicht mir die Wange.
      Sie hält meine Hand und macht mir viel Mut,
      das tut meiner armen Seele gut.

      Jetzt kommt auch der Doktor, der Liebe, der Gute,
      betrachtet ganz aufmerksam meine Schnute.
      „Ach, liebe Frau, wie sieht’s denn hier aus?
      Ich glaube, da muss doch Einiges raus!“

      Von hinten, da hör ich, zieht auf eine Spritze,
      schon perlt mir der Schweiß – es ist besser, ich flitze!
      Doch bevor der Gedanke zu Ende gedacht,
      da hat er mir schon den Piekser gemacht.

      Jetzt muss ich noch warten, bis alles schön taub –
      und der Doktor macht sich erst mal aus dem Staub.
      Doch nicht lange, da kommt er mit flottem Schritt
      und bringt gleich die große Zange mit.

      Kaum 1, 2 Minuten, da ist es gescheh’n
      und ich kann meinen Zahn an der Zange seh’n.
      Für einige Wochen kam ich noch hier her –
      meine Angst verlor ich von Mal zu Mal mehr.
      Und aus meinem Altbau – ein Mund voller Trümmer –
      schuf der Doktor ein herrliches Speisezimmer.
    • Wir hatten eine Zeitlang das hier hängen und auch in der Schule im Klassenzimmer




      Die Zahnarzthelferin - eine kleine Schöpfungsgeschichte

      Als der liebe Gott die Zahnarzthelferin schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien ein Engel und sagte: „Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur!“

      Der liebe Gott blickte zu dem Engel und sprach: „Hast Du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen? So eine Zahnarzthelferin, die soll pflegeleicht, aber nicht aus Plastik sein; sie soll 288 bewegliche Teile haben; sie soll Nerven wie Drahtseile haben und trotzdem überaus sensibel für die Empfindlichkeiten und Wünsche der Patienten sein! Sie soll eigenständig arbeiten und trotzdem alles tun, was alle anderen von ihr erwarten, stundenlang unbeweglich in gebeugter Haltung über den Patienten sitzen und auf Zuruf trotzdem flink sein wie ein Wiesel; jederzeit soll sie alles in der Tiefe kleiner enger Patientenmünder überblicken, ohne dabei jedoch dem Zahnarzt die Sicht zu versperren! Und fünf Paar Hände haben wie die indische Göttin Khali!

      Da schüttelte der Engel den Kopf und rief: „Fünf Paar Hände, das wird kaum gehen!“ „Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen“, sagte der liebe Gott, „aber die drei Augen und die drei Paar Ohren, die so eine Zahnarzthelferin haben muß!“ „ Drei Augen und drei Paar Ohren?“, fragte der Engel verwundert. „Gehören die denn zur Grundausstattung?“ Der liebe Gott nickte: „ Ein Auge der Zahnarzthelferin muß jederzeit über das Gesicht ihres Patienten kreisen, um jedes Stirnrunzeln und jedes Zungenzucken zu erfassen, das zweite Auge pendelt zwischen den Händen des Zahnarztes, dem sie gerade assistiert und ihrer Instrumentenablage und das dritte Auge, das ist überhaupt das Wichtigste, denn mit dem berühmten, unsichtbaren, dritten Auge, mitten auf der Stirn, da verfolgt sie jederzeit die Gedanken Ihres Arbeitgebers und kann so alle seine Wünsche erfüllen, noch bevor der auch nur ein Wort gesagt hat!“ „Und die drei Paar Ohren...?“, fragte der Engel neugierig. Der liebe Gott holte tief Luft und sagte: „Ein Paar Ohren hat sie, das sie mitfühlend den Patienten leiht, ein weiteres, mit dem sie alle Sonderwünsche Ihres Arbeitgebers ergeben entgegen nimmt, wenn dessen Gedanken, die sie gerade gelesen hat, einem der häufigen spontanen Einfälle gewichen sind! Und das dritte Paar Ohren, das braucht sie, um zusammen mit ihren Kolleginnen das Gras wachsen zu hören und jederzeit über alles und jedes und jeden in der Praxis voll informiert zu sein – oft noch, bevor der Betroffene selbst irgend etwas bemerkt hat.
      - "Anders geht es wohl nicht“, sagte der liebe Gott und zog grübelnd die Stirn in Falten.

      „Oh Gott, Pardon, ich wollte sagen, äh...“ – verwirrt starrte der Engel auf die Figur, die Gott in seinen Händen hielt und die langsam, aber immer deutlicher Gestalt annahm. Dann bemerkte er die Anstrengung im Antlitz des Höchsten und sprang auf: „Oh Herr!“, rief er, „geht schlafen und macht morgen weiter!“ „Ich kann nicht“, sagte der liebe Gott, „denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt! Ich habe bereits geschafft, daß sie sich selbst heilt, wenn sie krank ist, daß sie gut aussieht, auch wenn sie müde und grummelig ist, daß sie drei aufgebrachte Patienten freundlich und sanft von der Anmeldung in das Wartezimmer verschiebt, während sie zwei Karteikarten an den richtigen Platz sortiert, einen Notizzettel für den Chef ausfüllt, am Telefon mit dem Labor einen Termin abändert und dem Briefträger einen Platz anweist, an dem er das sperrige Paket abstellen kann. Sie kann dem arrogantesten Schnösel ein freundliches Lächeln schenken und gleichzeitig völlig unhörbar „Du Blödmann“ sagen; sie kann dem Mütterchen, das die Klotür mit dem Ausgang verwechselt, dezent und ohne Peinlichkeit den rechten Weg weisen, für schreiende Kinder im Handumdrehen aus einem Latexhandschuh einen Luftballon mit Gesicht zaubern, Gipsmodelle aus dem Vorjahr in fünf Minuten wiederfinden und sich an eine Spezialzange erinnern, die ihr Chef seit sieben Jahren nicht mehr benutzt hat und die jetzt plötzlich wieder sofort zum Einsatz kommen soll! Und noch die zehnte widersinnige Änderung einer Verwaltungsvorschrift wird von ihr so souverän und routiniert ausgeführt, daß alle denken, diese Änderung sei eine weise und nützliche Sache, die einfach dazugehört.“

      Der Engel ging langsam um das Modell der Zahnarzthelferin herum und seufzte. „Zu weich und zerbrechlich“, sagte er schließlich. „Aber zäh“, widersprach der liebe Gott energisch. „Du glaubst gar nicht, was so eine Zahnarzthelferin alles leisten und aushalten kann!“ „Kann sie denken?“, fragte der Engel. „Nicht nur denken, sondern sogar selbständig entscheiden, Ideen und Verbesserungsvorschläge für die Zukunft einbringen, für Kolleginnen einspringen und sich selbst, auch ohne mein Zutun, immer weiter perfektionieren,“ sagte der liebe Gott.

      Schließlich fuhr der vor Verwunderung still gewordene Engel mit einem Finger über die zarte Wange des Modells. „Da ist ein Leck“, sagte er schließlich leise: „Ich habe Euch ja gesagt, daß Ihr zu viel in das Modell hinein zu packen versucht!“ „Das ist kein Leck“, sagte der liebe Gott, „das ist eine Träne.“ „Eine Träne? Wofür?“, fragte der Engel. „Nun“, sagte der liebe Gott, „ sie fließt bei Überarbeitung, bei Selbstzweifeln und Enttäuschung, kurz: immer dann, wenn selbst für eine Zahnarzthelferin einfach alles zuviel wird!“ „Ihr seid ein Genie!“, sagte der Engel, der auch alle anderen Schöpfungstage von Anfang an mit Staunen begleitet hatte, „Ihr habt Euch selbst übertroffen!“ Da blickte der liebe Gott versonnen auf alle Menschen, die er gemacht hatte, und ruhte dann schließlich mit seinem Blick auf der Zahnarzthelferin: „Die Träne“, sagte er, „ist das Überlaufventil.“